Wildernder Hund – Schreiben an Hundehalter

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Sehr geehrter Herr,

Ihre Pferdepension und der Reiterhof liegen in meinem Jagdrevier. Sie halten auf Ihrem Reiterhof Hunde. Zwei dieser Hunde wildern, Sie jagen laut und drücken dabei das Rehwild in weiter entfernte Reviere bzw., was noch nicht beobachtet wurde aber sehr wahrscheinlich ist, sie reißen einzelne Stücke. Dieses Verhalten hat sich bereits kraß auf die Abschußzahlen ausgewirkt. Gerade jetzt zur Notzeit reagiert das Wild auf solche Störungen äußerst empfindlich.

Am _______ konnte das Wildern anhand von Spuren im Schnee auch vor Zeugen bestätigt werden. Am wurden die beiden Hunde erneut beim Jagen beobachtet. Ein Rehbock konnte in das Nachbarrevier flüchten. Als das Stück dann erschöpft in seinen Einstand zurückkehren wollte, wurde es von einem PKW überfahren.

Ich hatte die Angelegenheit bereits am mit Ihnen besprochen. Sie hatten offenbar die schädliche Neigung der Hunde selbst erkannt und gemeint, Sie würden diesen Hund abgeben. Dennoch lassen Sie den Hund weiterhin frei herumlaufen. Ihr Verhalten stößt auf Unverständnis.

Die zur Ausübung des Jagdschutzes berechtigten Personen sind berechtigt, wildernde Hunde und Katzen abzuschießen gem. § 25 Abs. 4 Nr. 2 Satz 1 LJG-NW. Es ist die Aufgabe des Jagdschutzes, das Wild nach Möglichkeit vor Gefahren zu schützen, vgl. § 23 BJG. Dieser Jagdschutz umfaßt auch den Schutz vor Raubzeug, insbesondere vor aufsichtslosen Hunden, die sich je nach ihrer Veranlagung als schlimme Feinde des Wildes darstellen können. Als wildernd gelten Hunde, die im Jagdbezirk außerhalb der Einwirkung ihres Führers Wild aufsuchen, verfolgen oder reißen. Wenn die Hunde eine Gefahr für das Wild darstellen, so wie hier, ist die Tötung der Hunde durch Abschuß zum Schutze des Wildes erforderlich.

Demnach hätte ich den Hund töten können, unter Tierschutzgesichtspunkten vielleicht sogar müssen. Gleichwohl möchte ich den Hund nicht erschießen, da Sie als Hundehalter den Hund so halten können, daß diese Vorfälle sich nicht wiederholen.

Dabei ist zunächst fraglich, ob Sie auf dem Reiterhof unbedingt einen Hund halten müssen. Wenn das notwendig ist, sollte vielleicht eine Rasse, die weniger Jagdtrieb aufweist, gehalten werden.

Nach § 2 Abs. 3 Satz 2 des Landesforstgesetzes des Landes NRW dürfen Hunde im Wald außerhalb von Wegen nur angeleint mitgeführt werden. Dabei umfaßt der Begriff Wald auch die dem Wald unmittelbar dienenden und verbundenen Flächen.

Eigentlich steht mir ein Schadensersatzrecht zu. Einmal in Höhe des Wildbretwertes aber unter Umständen auch auf den Anschaffungspreis für lebende Tiere, die zum Aussetzen erforderlich werden. S. BGH, MDR 1958 S. 325; LG Lübeck in NUR 1984, 204. Außerdem auf die Wertminderung der Jagd. Und natürlich auf die Zahlung von entstandenen Anwaltsgebühren.

Ich fordere Sie daher auf, alles Notwendige zu veranlassen, damit diese Vorfälle sich nicht wiederholen. Dann würde ich Ansprüche zunächst nicht geltend gemacht.

Die Sache sollte nicht eskalieren.

Bitte entwickeln Sie einen Sinn dafür, daß Jäger, Reiter und Hundehalter besser als Naturnutzer zusammenleben, wenn sie die jeweiligen Interessen des anderen berücksichtigen.

Es wäre sinnvoll, wenn Sie dieses Schreiben entsprechend beantworten würden. Vielen Dank!

Mit freundlichen Grüßen